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NACH ÜBER 700 TAGEN

Kicker trotz dreifachem Schicksalsschlag zurück

Dorian Seistock

„Ich freue mich darauf zu spielen, möchte mit der Vienna den nächsten Schritt gehen.“ Kurz nach der Wintertransferperiode ein absolutes Standard-Zitat. Nur, dass Markus Rusek eben wirklich auf sein erstes Pflichtspiel für Blau-Gelb brennt, weil er seit dem 15. März 2024, also seit über 700 Tagen, auf eines wartet ... 


Gleich vorweg: An der Qualität hapert's bei Rusek nicht. Aber aus irgendeinem Grund, scheint der Verletzungsteufel ein persönliches Problem mit ihm zu haben. Zuerst eine Knieverletzung, dann ein Riss im Syndesmoseband und sechs Tage nach seiner Ankunft bei der Vienna im Februar 2025 hat dann das Kreuzband einen Schnalzer gemacht. „Die schwierigsten zwei Jahre meines Lebens. Immer wieder die Hoffnungen auf den Neustart zerstört zu bekommen, das macht was mit einem Menschen“, seufzt der einstige GAK-Aufsteiger. Der bei seiner Heimkehr statt ein neues Kapitel aufzuschlagen einen weiteren Absatz der Leidensgeschichte schrieb. „Mit der Familie zurück nach Wien zu kommen war für mich eigentlich perfekt, ich wollte wieder voll durchstarten. Dann passiert das nach nicht einmal einer Woche. Ich hab ehrlich gesagt nicht gewusst, ob‘s überhaupt weitergeht, bin in ein Loch gefallen.“ 

Bild: GEPA

Aus dem ihn auch seine Familie wieder raushievte. Dass Papa erst einmal nicht mehr Fangenspielen konnte, haben ihm die Kids verziehen. „Mit fünf und sieben Jahren haben sie das verstanden. Meine Frau hat mir da auch extrem viel abgenommen, dass ich mich wirklich auf mein Comeback konzentrieren konnte.“ In der Zwischenzeit musste für den Wettbewerbsentzug ein anderes Hobby herhalten. „Ich hab extrem viel Darts gespielt, damit ich mich zumindest so mit anderen matchen konnte. Das war gar nicht so unerfolgreich“, schmunzelt der 32-Jährige.

Sein Lachen hat er spätestens bei den ersten Testspieleinsätzen wieder gefunden. „Ein wirklich unglaubliches Gefühl. Auch das Team hat sich extrem mit mir gefreut. Klar ist auch im Training alles noch unsicher, spielt der Kopf noch mit. Aber ich merke wie es von Woche zu Woche besser wird, ich nehme jeden angenommenen Pass mit, schmeiß mich schön langsam auch wieder richtig in die Zweikämpfe rein“, glitzerte die Freude in den Augen des Mittelfeldmanns. 

Mit dem Ehrgeiz eines „Taferlklasslers“
Was heuer in Döbling wohl nicht glitzern wird, ist mit Tabellenrang neun der gewünschte Meisterteller. Die Karten auf der Warte sind nach dem Mini-Umbruch aber neu gemischt. „Wir haben in der Rückrunde die Chance als Mannschaft zusammenzuwachsen, um dann nächstes Jahr die richtigen Wege gehen zu können.“ Das 93er Baujahr zählt zwar nicht mehr zu den jüngsten im Kader, nach seiner Durststrecke hat er aber wieder den Ehrgeiz eines „Taferlklasslers“. Und einen Deal mit der Frau. Rusek zwinkert: „Ich hab zwei Jahre aussetzen müssen, also muss ich zwei Jahre hinten dranhängen.“ 


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